Produktfotos- und Videos mit dem Lichtzelt – so geht’s

Ich mache Produktrezensionen auf Youtube und Amazon. Heute will ich einen Blick hinter die Kulissen gewähren und zeigen, wie man mit preiswerter Ausrüstung tolle Produktfotos- und Videos machen kann und mein bestes Setup für kleinere Produkte und Produktdetails vorstellen.

Video (englisch)

Produkt-Fotos und -Videos mit einfachen Mitteln zuhause erstellen

Der große Vorteil bei der Produkt-Fotografie ist, dass man alles zuhause machen kann und sich dort ein fixes Heimstudio einrichten kann. Natürlich nur, wenn die Freundin/der Freund/die Eltern/die Kinder/… das zulassen 😉 (meine Freundin ist gerade nicht da, deswegen kein Problem für mich hehe)

Man kann bereits mit dem Handy und einem einfachen Lichtzelt loslegen und braucht nicht das teuerste Equipment. Allerdings ist der Inhalt wichtiger als die Technik. Lest daher auch gerne den ersten Teil meines Kurses, wo es darum geht, wie man mit Produkt-Rezensionen Geld verdienen kann und auf was es beim Inhalt ankommt.

Meine Rezensionen auf Amazon und YouTube

Meine erfolgreichste Rezension auf Amazon ist der GoPro 7-Review und hat bereits 467 Likes.

Das Setup, dass ich hier beschreibe, habe ich für die Detailaufnahmen im Video und für die Produktfotos verwendet. Im nächsten Teil werde ich mein Setup für größere Objekte vorstellen. (und hier verlinken, sobald ich damit fertig bin)

Alle meine Reviews findet ihr auf YouTube unter “schwammerl testet”.

Mein Setup für kleinere Objekte und Produktdetails

Das ist mein Setup:

Es besteht im wesentlichen aus einem Lichtzelt, einem Zusatzlicht, der Kamera, einem zusätzlichen größeren Monitor und einem Audio-Recorder.

Ihr findet alle empfehlenswerten Produkte auf amazon.de. Wenn ein verbessertes Produkt rauskommt, werde ich die Links aktualisieren:
Lichtzelt (mit Druckknöpfen)
Kleines LED-Licht
Sony a6400
Sony 35mm 1.8
Sigma 16mm 1.4
Mini-Stativ mit Kugelkopf
Handy-Halterung
Polarisationsfilter (in der Größe des größten Objektivs kaufen, das man besitzt)
Step-Up-Ringe für Filter (damit man Filter auf allen Objektiven verwenden kann)
7-Zoll On-Camera Monitor
Audio-Recorder
Lavalier-Mikrofon
Kamera-Mikrofon
Rocket-Air-Blower

Über das Lichtzelt

Der preiswerte Lichtwürfel ist das Herz meines Setups. Meiner hat eine Größe von 40×40 cm. Dieses Lichtzelt ist für kleinere Objekte geeignet und man kann gut Details zeigen. Das Zelt verfügt oben über zwei LED-Streifen, die man an handelsübliche USB-Handy-Netzteile oder an eine Powerbank anschließen kann.

Da die Wände des Zelts weiß sind, wird das Licht reflektiert und das Objekt wird gut von allen Seiten beleuchtet.

Deswegen wäre es übrigens nicht gut, ein noch größeres Zelt nach diesem Funktionsprinzip zu kaufen (oder selber zu bauen), weil das Licht dann zu schwach ist, dass es noch von den Wänden ausreichend reflektiert werden kann. (Es gibt größere Lichtzelte mit transparenten Seitenwänden, die man von außen beleuchten kann… ich  habe so eines ebenfalls und werde ein entsprechende Setup in einem zukünftigen Artikel beschreiben!)

Von diesem Zelt gibt es viele verschieden Versionen. Diese unterscheiden sich bei der Befestigung der Seitenwände, wenn man es ausgefaltet hat, der Befestigung der Hintergründe und der Beleuchtung. Es gibt folgende Varianten:

  1. mit Klettverschlüssen (hatte ich vorher, nicht empfohlen, Kleber löst sich bald und Zelt bricht zusammen)
  2. Magnete (habe ich nicht getestet)
  3. Druckknöpfe (empfohlen)
Druckknöpfe (empfohlen)
Klettverschlüsse von meinem alten Zelt (NICHT empfohlen)

Die Zelte kommen zumindest mit schwarzen und weißen Hintergründen (meistens auch mit einem roten und einen grünen). Diese Hintergründe werden entweder in eine Aussparung eingezwickt oder aufgehängt. Ich empfehle dringend die Aufhäng-Variante, da der Hintergrund dann verlässlich hängenbleibt.

Aufhängung für den Hintergrund (empfohlen)
Hintergrund wurde bei meinem alten Zelt nur eingeklemmt (NICHT empfohlen)

Will man größere Objekte horizontal ablichten muss man aufpassen, nicht die Löcher auf den Innenseiten des Lichtzeltes mit im Bild zu haben. Bei Fotos ist das weniger schlimm, da man die Löcher noch im Fotoprogramm löschen kann. All zu viel Weitwinkel sollte man aber nicht verwenden, dafür ist mein Setup für größere Objekte besser, dass ich in einem zukünftigen Artikel vorstellen will.

Verwendet man ein Weitwinkelobjektiv, wie das Sigma 16mm 1.4, sieht man rechts unten die Löcher des Zelts. Kann man bei Fotos aber leicht wegstempeln.

Ein kleiner Nachteil bei dem Zelt, dass ich aktuell verwende (mit Druckknöpfen und guter Hintergrund-Aufhängung): Die Seitenwände links und rechts schließen vorne nicht gerade ab (aufgrund des Faltmechanismus), deswegen wird nicht ganz so viel Licht in das Zelt zurückgeworfen, wie bei meinem alten Zelt.

Beleuchtung darf nicht flackern

Das ist ein sehr trockenes Thema aber leider ein extrem wichtiges, da es oft zu extremer Frustration führt.

Es gibt verschiedene Varianten:

  1. LEDs, die man dimmen kann
  2. LEDs, die man nicht dimmen kann
  3. LEDs, die (mehr oder weniger) direkt an die Steckdose angeschlossen werden
  4. LEDs, die man nur an einen USB-Netzadapter (oder eine Powerbank) anschließen kann

Wenn man nur Fotos macht, ist es vielleicht egal, welche Variante man nimmt. Wenn man Videos macht, empfehle ich unbedingt die USB-Variante die man nicht dimmen kann (oft steht auch “flimmerfreies” Licht dabei).

Das ist deshalb wichtig, da das Stromnetz in Europa 50 Hz hat. Werden die LED (mehr oder weniger) direkt an das Stromnetz angeschlossen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die LEDs mit dieser Frequenz flimmern.

Ein Freund wollte sich selber ein Lichtzelt basteln (ist übrigens zu groß, besser kleiner machen und Styropor-Platten verwenden, damit das Licht gut reflektiert wird)
Diese LED-Streifen mit solchen Stromwandlern sollte man nicht kaufen, da sie flimmern

Das sieht man dann v.a., wenn man sein Video mit dem Handy filmt, da die Handys nur mit 30 Bildern pro Sekunde filmen können (amerikanischer NTSC-Standard), nicht mit 25 Bildern (europäischer PAL-Standard, was zumindest ein Bruchteil von 50 Hz wäre). Kann man alles ganz gut selber mit einer billigen Weihnachts-Lichterkette testen.

Hier ein Handy-Video von dem Freund, der sich selber ein Fotozelt bauen wollte:

Bei Lichtzelten mit dimmbaren Licht wird das Dimmen dadurch erreicht, dass die LEDs zu flackern beginnen. Ebenfalls vermeiden.

Thema Weißabgleich: Die LEDs haben üblicherweise Tageslicht-Temperatur, deswegen sollte man sie nicht mit warmen Lampen mischen. Oft haben sie auch einen ganz leichten Lila-, Gelb- oder Grün-Stich, eine perfekte Farbreproduktion darf man sich für diesen Preis nicht erwarten.

Licht noch weicher machen – so geht’s

Das Licht wird zwar ganz gut von den Wänden reflektiert und dadurch verschwinden harte Schatten weitgehend. Trotzdem kann es sein, dass die LED-Perlen von spiegelnden Objekten (z.B. der Linse oder dem Bildschirm der GoPro) reflektiert werden.

Mein LED-Licht spiegelt sich in der GoPro

Um das zu vermeiden habe ich noch den Diffusor von einem alten Beleuchtungsset genommen und in die Öffnungen geschoben bzw. mit Kluppen befestigt. (Man kann auch ein Stück eines Duschvorhangs verwenden o.ä.)

Dadurch wirken die Aufnahmen noch einmal professioneller. Nachteil ist allerdings, dass das Licht dann nicht mehr so stark ist und man noch lichtstärkere Objektive einsetzen muss.

Zusatz-Licht für noch schärfere Ergebnisse

Ich verwende oft noch ein zusätzliches kleines LED-Licht, da man bei Produkt-Fotografie nie genug Licht haben kann. Es ist wünschenswert, die Blende möglichst klein zu haben, damit möglichst viel vom Produkt scharf ist.

Das Licht richte ich entweder direkt oder wenn mir zuviel Reflexionen am Objekt entstehen richte ich es gegen die Innenwand des Lichtzeltes, um damit indirektes und damit weicheres Licht zu haben.

Die beste Kamera für 4K

Ich verwende die Sony a6500, damit ich in 4K filmen kann und im Beispiel das Sony 35mm 1.8 Objektiv. Grundsätzlich würde ich die Sony a6400 empfehlen, da sie auch einen Flip-Up-Screen und den besten Autofocus hat. Sie hat allerdings keine Sensor-Stabilisierung, aber für Produkt-Fotos- und Videos am Stativ ist das egal.

Die Kamera habe ich auf einen Mini-Stativ mit einem Kugelkopf. Ich finde es sehr praktisch, dass man kein großes Stativ braucht. Man sollte dann nur darauf aufpassen, dass wenn der Tisch wackelt auch das Bild wackelt (wenn man Produkt-Videos macht).

Natürlich kann man auch ein Handy in einer entsprechenden Handy-Halterung verwenden.

Am Objektiv habe ich noch einen Polarisations-Filter montiert. Dadurch werden Reflexionen noch weiter reduziert. Das ist aber ein bisschen Geschmackssache. Aber ich verwende ihn öfters, damit meine Fotos und Videos noch den letzten “Kick” bekommen (mehr Kontrast).

Polarisationsfilter (mit Step-Up-Ringen, damit ich nicht für jedes Objektiv einen eigenen Filter kaufen muss)
Ergebnis OHNE Polarisationsfilter (das Licht wird z.B. an der Linse reflektiert)
Ergebnis MIT Polarisationsfilter (Licht wird nicht von der Linse reflektiert, dadurch mehr Kontrast, allerdings ergibt sich am LCD-Bildschirm ein Polarisationseffekt)

Meine Kameraeinstellungen für Fotos

Für Fotos verwende ich oft einfach den Automatik-Modus oder den Blendenprioritäts-Modus. Bei der Rezension der GoPro musst ich das Bild allerdings mittels Belichtungskorrektur heller einstellen, da ich kein reines schwarz will (sieht “cinematischer” aus).

Ich empfehle ISO auf 200 zu stellen, um ein möglichst rauscharmes Bild zu bekommen. Bei Fotos kann man die Blende zumachen (z.B. F8 oder sogar F16), damit möglichst viel im Fokus (scharf) ist. Dann besser den 2-Sekunden-Selbstauslöser verwenden, damit nichts verwackelt.

Meine Kameraeinstellungen für Video

Früher habe ich oft im Automatik- bzw. Blendenprioritäts-Modus gefilmt. Jetzt filme ich nur mehr im manuellen Modus. Grund dafür ist, dass dann die Kamera nicht mehr die Helligkeit von selbst ändern kann.

Das wirkt sehr unschön im Video, z.B. wenn man eine Verpackung umdreht und die Kamera glaubt, sie muss jetzt die Helligkeit ändern:

Das GoPro-Video habe ich leider nicht im manuellen Modus gefilmt, daher hat die Kamera geglaubt, sie muss plötzlich alles dunkler machen

Oder wenn man ein Handy oder ein LED-Licht filmt, die selber hell sind.

Ich filme mit folgenden Einstellungen:

  • 24 Bilder pro Sekunde (entspricht NTSC)
  • ISO 200
  • 1/50 Belichtungszeit
  • Blende passe ich an (oft so im Bereich F2.2-F5.6)
  • White-Balance: Tageslicht (oder einfach Automatik)
  • Picture-Profile: PP8, Cine4 und Pro Color-Mode (um helle und dunkle Bereiche zu schützen)

Bei den Bildern pro Sekunde muss man natürlich aufpassen. Viele werden in Europa mit PAL filmen (25 oder 50 Bilder), aber ich will den “cinematischen” Film-Look. Filmt man mit NTSC, darf man keine Lichter verwenden, die mit 50 Hz “flimmern”. Wenn man mit dem Handy filmt auch nicht, denn dann ist man auf NTSC beschränkt (30 Bilder pro Sekunde). Alte Glühbirnen flimmern nicht, natürliches Sonnenlicht auch nicht, fluoreszierende Lampen und billige LEDs schon. Also alle Lichter abschalten, die flimmern könnten.

Diese Lichter flimmern, außer man filmt mit PAL (25 oder 50 Bilder pro Sekunde)

Warum ein Monitor notwendig ist

An die Kamera habe ich einen 7 Zoll-Monitor angeschlossen. Mittels Fokus-Peaking kann ich überprüfen, ob das Produkt richtig im Fokus ist.

Der Bildschirm der Kamera ist dafür zu klein und wenn ich die Kamera weiter ins Zelt schiebe, kann ich ihn sowieso nicht mehr ablesen (weil er spiegelt). Ohne diesen externen Monitor kann ich eigentlich nicht mehr leben, es hilft sehr dabei, professionelle Fotos und Videos zu machen. V.a. wenn man in den Makro-Bereich kommt.

Dann verwende ich noch die False-Colors-Funktion, um beurteilen zu können, ob die Belichtung passt, da ich ja im manuellen Modus filme.

In der Mitte der Skala ist Hellgrau und Rosa, das ist der richtige Wert für Hauttöne.

Handy als “Teleprompter”

Ich habe noch mein Handy bereitgelegt, dort habe ich notiert, was ich in meinem Produktvideo sagen will.

Ich empfehle eine App zu installieren die verhindert, dass sich der Bildschirm von selbst abschaltet.

Audio ist sehr wichtig

Ich verwende einen externen Audio-Rekorder und ein Lavalier-Mikrofon. Das Mikrofon auf der Kamera ist nur ein Backup. Das Lavalier-Mikrofon ist näher beim Sprecher und daher ist die Qualität besser (weniger Hall).

Theoretisch könnte ich das Lavalier-Mikrofon direkt an die Kamera anschließen, da die Sony Kameras gute Vorverstärker eingebaut haben. Allerdings ist es ganz gut, wenn man noch eine zusätzliche Tonspur hat, wenn man z.B. irrtümlich das Rascheln der Kleidung aufgenommen hat.

Rocket-Air-Blower für saubere Ergebnisse

Last but not least: Der Rocket-Blower zum Reinigen von Kameras mag zwar am unwichtigsten erscheinen. Aber wenn man Fotos und Videos in toller Qualität macht, sieht man jedes Staubpartikel und jedes Haar. Deswegen alles was man fotografiert/filmt vorher gut reinigen.

Bei Fotos kann man den Staub notfalls noch im Foto-Programm löschen, bei Videos ist das sehr schwierig.

Zusammenfassung

Das war mein Setup mit Lichtzelt, das ich natürlich laufend weiter entwickle. Ich werde diesen Artikel immer aktuell halten, wenn ich eine Verbesserung vornehme.

Ich habe noch 2 Setups, die ich aber in eigenen Blog-Posts beschreiben werde, da dieser Artikel schon lang genug ist. Und zwar werden das sein:

  • ein Setup für größere Objekte OHNE Lichtzelt (vgl. das Unpacking in meiner GoPro-Rezension)
  • eine Setup für größere Objekt MIT großem Lichtzelt (das habe ich gerade neu reinbekommen)

Ich werde diese Artikel dann hier verlinken, sobald sie fertig sind.

Wollt ihr Produkte fotografieren oder auch Produkt-Videos machen? Wollt ihr auch Produktrezensionen machen? Ich freue mich auf eine Diskussion im Kommentarbereich!

Hier findet ihr alle empfehlenswerten Produkte für mein Setup auf amazon.de. Wenn ein verbessertes Produkt rauskommt, werde ich die Links aktualisieren:
Lichtzelt (mit Druckknöpfen)
Kleines LED-Licht
Sony a6400
Sony 35mm 1.8
Sigma 16mm 1.4
Mini-Stativ mit Kugelkopf
Handy-Halterung
Polarisationsfilter (in der Größe des größten Objektivs kaufen, das man besitzt)
Step-Up-Ringe für Filter (damit man Filter auf allen Objektiven verwenden kann)
7-Zoll On-Camera Monitor
Audio-Recorder
Lavalier-Mikrofon
Kamera-Mikrofon
Rocket-Air-Blower

*Affiliate Links. Bitte kauft über meine Links auf amazon.de. Ich bekomme damit eine kleine Belohnung für meine Arbeit, ohne dass euch dadurch irgendwelche Zusatzkosten entstehen. VIELEN DANK!

One Reply to “Produktfotos- und Videos mit dem Lichtzelt – so geht’s”

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *