DJI Ronin SC Gimbal im Test

Ich habe mir gerade den brandneuen DJI Ronin SC Gimbal angeschafft (zur Stabilisierung meiner Videos). Mein alter Gimbal, ein Zhiyun Crane M ist an seine Grenzen gekommen, da ich für meine Videos immer bessere und (leider auch) schwerere Objektive einsetze. Das war für mich der Hauptgrund für den Kauf.

Der Ronin SC ist der “kleine” Bruder des Ronin S. Er kann zwar keine ultra-schweren Kameras tragen, dafür ist er leichter und das ist für mich sehr wichtig. Im folgenden Artikel will ich gerne auf die Vor- und Nachteile eingehen und schreiben, welche Erfahrungen ich bis jetzt gemacht habe.

Videos


Beladung des Gimbals

Ich verwende auf dem Gimbal im Moment v.a. eine Sony a6500 (453g) mit dem Sigma 16mm 1.4 Objektiv (405g). Das ist mein schwerstes Setup. Damit hat der Gimbal überhaupt kein Problem.

Ich habe sogar noch genügend Spielraum, um auf der Kamera ein Mikrofon zu montieren.

Oder falls ich in Zukunft auf Vollformat umsteige. Z.B. halte ich eine Sony a7iii (650g) und das neue Tamron 17-28 Objektiv (420g) für ein ideales Setup. (Es wäre insgesamt “nur” 212g schwerer als mein aktuelles.)

Mit der Sony a6400 würde ich aufpassen, da sie keine Sensorstabilisierung hat. Ein Gimbal kann kleine Wackler nicht ausgleichen, deswegen sollte man mit der Sony a6400 zumindest stabilisierte Objektive einsetzen. Das ist der Grund, warum ich die a6400 noch nicht verwende. Ich hoffe Sony kommt bald mit einer neuen Variante mit Stabilisierung.

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Vorteile des DJI Ronin SC

Neben der für mich idealen Zuladung von max. 2kg waren für mich noch die folgenden 6 Punkte für den Kauf ausschlaggebend.

1. Qualität

Wenn man den Gimbal aus dem mitgelieferten Koffer nimmt, bemerkt man sofort die hohe Qualität die DJI hier abliefert. Der Gimbal ist perfekt gefertigt.

Der Gimbal muss nicht neu neu balanciert werden, nachdem man ihn in den Transportkoffer gelegt hat

Man kann alle Achsen für den Transport oder zum Ausbalancieren fixieren.

Die Rollachse kann man nicht mehr verstellen. (Das ist die Achse, die nach unten versetzt ist, um einen ungehinderten Blick auf den Bildschirm zu haben.)

Das ist wie ich finden ein genialer Schachzug, da man dadurch den Gimbal zusammenfalten kann, ohne dass der Schwenkarm am Gimbal streift. Es ist schwierig zu erklären, ich mache ein Foto wo man die vielen Kratzer an meinem alten Gimbal sieht.

Nachteilig daran ist, dass man stattdessen die Kamera selbst horizontal verschieben muss. Es gibt nur eine Schraube unter der Kamera, und man muss sie dort wie üblich nach vorne und zurück, jedoch zusätzlich nach links und rechts verschieben.

Zum Glück gibt es einen Ratschenmechanismus, sodass die Kamera sich nicht so leicht bei offener Schraube von selbst horizontal verschieben kann.

2. Arca Swiss kompatibel

Ich setze auf all meinen Stativen Arca Swiss-kompatible Klemmen und Platten auf meinen Kameras ein. Leider ist die Platte des Gimbals zwar Arca Swiss kompatibel, aber aufgrund ihrer Länge und dem Druckknopf zum Lösen etwas speziell.

Ich habe das so gelöst, dass ich zusätzlich den Schnellspanner MENGS CL-50LS montiert habe.

Jetzt kann ich meine alte Stativplatte verwenden und die Kamera schnell lösen, ohne dass sich meine Einstellungen am Gimbal verändern. Eine entsprechende Klemme kann man auch für Manfrotto kaufen.

Einziger Nachteil kann bei sehr großen Kameras sein, dass man beim Schwenk nach unten leichter am hinteren Motor anstößt, da das Setup höher wird. Jedoch ersetzt die Klemme gleichzeitig die Riser-Platte, die man montieren muss, wenn das Objektiv höher als die Kamera ist.

3. Seitliche Montagemöglichkeit

Bei meinem alten Gimbal war sehr nervig, dass ich Zubehör wie externe Monitore nur am Stativgewinde an der Unterseite montieren konnte. Der Ronin SC hat links und rechts Montagemöglichkeiten. Dort kann man die mitgelieferte Smartphone-Halterung montieren.

Praktischerweise besteht diese Halterung auch aus einem kleinen drehbaren Blitzschuhadapter. Ich kann dort z.B. meinen externen Kamera-Monitor oder ein Mikrofon befestigen.

Das Mikrofon hier zu montieren hat den Vorteil, dass man es leicht lösen kann wenn man es nicht braucht, ohne den Gimbal neu ausrichten zu müssen

Ich bin nur etwas skeptisch, da dieses Teil aus Plastik ist und ich es nicht abbrechen will. Es gibt sehr viele günstige Adapter auf Amazon, die man anschrauben kann und woran sich Zubehör befestigen lässt. Vielleicht langfristig die bessere Lösung.

Den Monitor kann man drehen, aber nicht schwenken (Magic Arm o.ä. erforderlich)

4. Preis

Wirklich überrascht hat mich der Preis, da normalerweise Produkte in den USA günstiger sind. Diesmal scheint es genau umgekehrt zu sein. Für die gebotene Qualität finde ich den Preis mehr als ok.

5. App und Modi

Eine große Stärke ist die sehr übersichtliche App. Die Registrierung und Einstellung des Gimbals funktioniert tadellos.

Es gibt drei Modi, zwischen denen man über die M-Taste am Gimbal wechseln kann. (Zusätzlich kann man über die Taste auf der Rückseite des Gimbals alle Achsen blockieren, z.B. wenn man in den “Underslung”-Modus wechseln will, man kann den Gimbal wieder zentrieren und in den Selfie-Modus wechseln.)

Diese Drei Modi kann man in der App frei konfigurieren. (Man kann noch zusätzlich eine Steuereinheit erwerben, wenn man die App dafür nicht verwenden will.) Sehr cool finde ich den FPV-Modus, wo man die Kamera ähnlich wie bei einer FPV-Drohne frei bewegen kann. Finde ich besser als den Barrel-Roll-Modus. Man kann ebenfalls einstellen, ob man die Position der Kamera per Hand verändern will (nützlich für die Einstellung der Positionen für Zeitrafferaufnahmen z.B.).

Sehr praktisch sind die Funktionen um die Balance zu testen und die Stärke der Motoren automatisch einzustellen.

Es gibt dann noch die viel beworbene Active-Tracking Funktion (=Verfolgung von Personen oder Objekten, wenn man ein Smartphone auf der Kamera montiert hat) und eine Funktion, um den Gimbal über das Gyroskop des Handys fernzusteuern (im Moment leider nur auf iPhone). Sinnvoller finde ich aber die Timelapse-Funktionen und den Gimbal einen vordefinierten Pfad abfahren zu lassen (z.B. wenn man ein Produkt ruckelfrei abfilmen will).

Jedenfalls ist die App viel besser als das was Mitbewerber wie Zhiyun bieten. Ich kann mich erinnern, dass Zhiyun schon 2017 mit der Funktion zur Verfolgung von Personen geworben hat (z.B. für Nachrichtensprecher). Funktioniert hat die nie wirklich, die App ist immer abgestützt. DJI hat einen Vorsprung, da sie das Know-How von ihren Drohnen haben.

6. Support

Das ist ein riesen Vorteil wenn man von DJI kauft. Aufgrund ihres Drohnen-Geschäft haben sie ein großes Support-Netzwerk aufgebaut und man bekommt jederzeit eine Reparatur oder ein Ersatz- und Zubehörteil. Für andere chinesische Firmen ist das (leider) ein großer Wettbewerbsnachteil. Wer will sein kaputtes Gerät gerne nach China zurückschicken?

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Nachteile des DJI Ronin SC

1. Zwangs-Registrierung per App

Will man den  Gimbal verwenden, muss man ihn zuerst über die App aktivieren. Bei Drohnen verstehe ich das vielleicht, damit man die neusten Updates bekommt und das Fluggerät nicht gleich aus dem Himmel fällt. Bei einem Gimbal finde ich das ziemlich schwachsinnig.

Wenn man Pech hat, ist das Smartphone vielleicht nicht kompatibel. Bei mir hat es zum Glück auf Anhieb geklappt, ich konnte mein Samsung s7 Edge verbinden. Man wird dann gleich eingeladen DJI Care Refresh zu kaufen (ich glaube für 39 Euro), um 4 kostenlose Ersatzgeräte bekommen zu können. Das ist schlau gemacht von DJI… (GoPro macht das ähnlich)

2. Gewicht

Das geringere Gewicht ist der Vorteil gegenüber dem Ronin S, der einhändig praktisch unbenutzbar ist. Trotzdem finde ich den Ronin SC mit seinem Gewicht von ca. 1,319 kg (inkl. Mini-Stativ) nicht gerade ein Leichtgewicht. Die hohe Qualität und damit verbundene massive Ausführung hat eben ein gewisses Gewicht zur Folge.

Hier ist das Gewicht der Einzelteile:

+ Mini-Stativ: 162g
+ Griff: 252g
+ Einheit mit Motoren und Steuerung: 907g (inkl. Schwalbenschwanzplatte für die Kamera)
+ ohne Mini-Stativ: 1159g
+ komplett (ohne Kamera): 1319g
+ mit Kamera (a6500 + Sigma 16mm): 2290g

Der Griff ist wie beim Ronin S oval und nicht rund. Er ist schmäler als beim Ronin S und daher einfacher zu greifen.

nichts für kleine Frauenhände

Ich finde ihn trotzdem etwas klobig, insbesondere auch die Steuereinheit, habe aber auch nicht die größten Pranken. Der Gimbal ist nur 100-200g schwerer als mein alter Zhiyun Gimbal, wirkt aber viel massiver und schwerer (als er eigentlich ist).

Für kleine bis durchschnittliche Frauenhände ist dieser Gimbal nicht geeignet. Auch zu schwer. Das ist eben der Preis den man bezahlt, um schwerere Setups verwenden zu können. Die Lösung von Zhiyun beim Weebill Lab finde besser, bei traditionellen Gimbals wie dem Ronin SC finde ich die Halteposition nicht ganz so günstig für das Handgelenk.

Zum Reisen werde ich wohl zu einem kleineren Gimbal (und zu einer kleineren Kamera) greifen. Kommt auch darauf an, ob man kommerzielle Videos macht, dann würde ich den Ronin SC schon mitnehmen. Man kann ihn immerhin in Kürze zerlegen und die Achsen fixieren.

Leider sind die Gimbals von DJI im Moment aufgrund der Qualität konkurrenzlos und man muss bei anderen Herstellern mehr Kompromisse eingehen.

Fazit

Ich finde den DJI Ronin SC toll, er hat eine unglaublich hohe Qualität für einen mehr als fairen Preis.

Ob ich ihn für mein aktuelles Setup (Sony a6500 und Sigma 16mm 1.4) wirklich brauche, bin ich mir nicht 100% sicher. Wenn ich auf Vollformat umsteige oder andere Kameras (z.B. Fuji XT-2 von meiner Freundin) verwende, brauche ich ihn sicher.

Für private Reisen ist er etwas schwer und klobig, da hole ich mir vielleicht noch einen kleinen Gimbal. Ich würde mir wünschen, dass der Ronin SC einen Tick leichter wäre (und würde dafür auf Akku-Laufzeit verzichten).

Für kommerzielle Videodrehs ist er perfekt. Vielleicht schaffe ich mir noch einen Tragegurt an. Zubehör gibt es von/für DJI zum Glück genug.

Noch ein Satz zur Pro-Combo: Ich habe die nicht bestellt, da ich nur ein Objektiv verwende, das manuellen Fokus hat (die anderen sind Focus-by-Wire). Das waren mir die 100 Euro Aufpreis nicht wert.

Insgesamt ist der DJI Ronin SC in meinen Augen im Moment konkurrenzlos. Außer man fliegt sehr schwere Setups (sehr schwere Zoom-Objektive mit großer Blende, z.B. 16-35 F2.8 und DSLRs). Das wäre sowieso nichts für mich, da ich mehr Run-And-Gun filme.

Der Support von DJI ist einzigartig. Für die Konkurrenz wird es schwer.

Falls ihr Fragen habt bitte gerne kommentieren. Ich werde meine Rezension aktualisieren, sobald ich etwas neues herausfinde.

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2 Replies to “DJI Ronin SC Gimbal im Test”

  1. Hallo Bernhard,
    Danke fuer den Artikel.
    Ich habe nachgelesen, dass der ronin sc fuer bestimmte Linsen an der a6500 manuellen Fokus über USB und dem Fokus wheel (also kein extra focus motor) unterstützt. Hast du damit iwelche positiven Erfahrungen gemacht?

    1. Servus Patrick,
      gerne. Ich habe nicht die Version mt Fokus Wheel gekauft. Sie macht m.E. bei Focus By Wire wenig Sinn.
      Also ich habe es nicht selbst probiert aber ich glaube bei Sony Kameras steuert das Focus Wheel nur den Zoom (bei PowerZoom Objektiven wie dem 16-55 Kit-Objektiv z.B.). Ich glaube das ist eine Beschränkung bei Sony-Kameras, das sie für das manuelle Fokussieren (im Gegensatz zu anderen Kameraherstellern) keine Ansteuerung über USB implementiert haben. Nur Für Zoom war es mir aber der Aufpreis auf die Pro Version nicht wert. Ich habe auch generell die Erfahrung, dass die Gimbals (auch Zhiyun usw.) die Sony-Kamera nicht immer erkennen (hängt davon ab, was man zuerst einschaltet). Dann drückt man auf den Aufnahmeknopf (oder versucht am Gimbal zu zoomen) und nix passiert. Für mich ist das USB-Kabel schon wertvoll, weil wenn ich an der Kamera den Aufnahmeknopf drücke habe ich immer einen Wackler im Video den ich mal rauslöschen muss. Aber wie gesagt es funktionierte nur in ca. 50% der Fälle…

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